Ein Fragebogen ist das Werkzeug, mit dem die meisten Unternehmen ihre Stakeholder in die doppelte Wesentlichkeitsanalyse einbinden. Trotzdem scheitern viele Befragungen an denselben Stellen: zu viele Themen, zu abstrakte Fragen, Skalen ohne Erläuterung und Ergebnisse, die am Ende niemand sauber in die Bewertung übernehmen kann. Hier finden Sie eine sofort nutzbare Vorlage mit Beispielfragen, Skalen und Auswertungsregeln, abgestimmt auf die überarbeiteten ESRS.
Kurz gefasst: Ein Fragebogen für die doppelte Wesentlichkeitsanalyse besteht aus fünf Teilen: (A) Einleitung und Kontext, (B) Wesentlichkeit der Auswirkungen je ESRS-Thema (Ausmaß, Umfang, Unabänderlichkeit, Wahrscheinlichkeit auf Skalen von 1–5), (C) finanzielle Wesentlichkeit (Ausmaß, Wahrscheinlichkeit, Zeithorizont) nur für interne Finanz- und Risikoexperten, (D) offene Fragen und (E) Angaben zur Person. Eine Umfrage ist nach den ESRS keine Pflicht: Einbindung aus Ihren Sorgfaltsprozessen genügt (ESRS 1 §42), und Stellvertreter wie NGOs sind zulässig.
Wenn Sie die Grundlagen der Analyse auffrischen möchten, lesen Sie zuerst unseren Leitfaden zur doppelten Wesentlichkeitsanalyse nach CSRD. Die Skalen in dieser Vorlage entsprechen denen in unserem Praxisbeispiel zur doppelten Wesentlichkeitsanalyse, sodass Sie beides direkt kombinieren können.
Brauchen Sie überhaupt einen Fragebogen?
Die überarbeiteten ESRS (Delegierte Verordnung (EU) 2026/1563) bezeichnen die Einbindung betroffener Stakeholder als „wichtigen Input“ für die Wesentlichkeitsanalyse (ESRS 1 §42). Die Anwendungsanforderungen stellen aber klar:
- Einbindung aus Ihren Sorgfaltsprozessen genügt. Für die Wesentlichkeitsanalyse ist kein separater Beteiligungsprozess nötig.
- Stellvertreter sind zulässig. NGOs, Gewerkschaften und andere zivilgesellschaftliche Organisationen können für Gruppen sprechen, die Sie nicht direkt erreichen, etwa Beschäftigte bei Lieferanten.
- Eine Umfrage ist eine Methode, keine Pflicht. ESRS 2 IRO-1 verlangt eine Beschreibung der Stakeholder-Konsultation nur, wenn Sie konsultieren.
Ein Fragebogen lohnt sich trotzdem, wenn Sie viele Personen strukturiert und vergleichbar befragen wollen: interne Fachbereiche, die Belegschaft oder eine größere Zahl von Kunden. Für einzelne, besonders kundige Stakeholder sind Interviews oft ergiebiger. Alle Neuerungen der überarbeiteten Standards finden Sie in unserem Beitrag zur doppelten Wesentlichkeitsanalyse nach den überarbeiteten ESRS.
Wen Sie was fragen
Der häufigste Fehler ist, allen denselben Fragebogen zu schicken. Die ESRS unterscheiden betroffene Stakeholder, deren Interessen durch das Unternehmen berührt werden, und Nutzer der Nachhaltigkeitserklärung wie Banken und Investoren. Dazu kommen Ihre internen Fachleute, die das Geschäft und die Risiken am besten kennen.
| Zielgruppe | Beispiele | Was sie gut beurteilen können | Fragebogenteile |
|---|---|---|---|
| Interne Fachleute | Risikomanagement, Finanzen/Controlling, Personal, Einkauf, Betrieb/Produktion, Vertrieb, Recht/Compliance | Auswirkungen in ihrem Bereich, finanzielle Effekte, Wahrscheinlichkeiten | A, B, C, D, E |
| Betroffene Stakeholder (direkt) | Beschäftigte, Betriebsrat, Anwohner, Kunden als Endnutzer | Wie stark sie selbst betroffen sind | A, B (vereinfacht), D, E |
| Betroffene Stakeholder (über Stellvertreter) | NGOs, Gewerkschaften, Brancheninitiativen für Beschäftigte bei Lieferanten oder Gemeinschaften | Schwere und Verbreitung von Auswirkungen in der Wertschöpfungskette | A, B, D, E |
| Nutzer | Hausbank, Investoren, Geschäftskunden | Erwartungen, Anforderungen, Relevanz für Finanzierung und Geschäftsbeziehung | A, B (optional), D, E |
Wie Sie Stakeholder priorisieren und welche Formate sich für welche Gruppe eignen, lesen Sie in unserem Beitrag zur Stakeholderanalyse bei der doppelten Wesentlichkeit.
Aufbau der Vorlage im Überblick
| Teil | Inhalt | Wer beantwortet | Dauer |
|---|---|---|---|
| A | Einleitung und Kontextfragen | alle | 2 Min. |
| B | Wesentlichkeit der Auswirkungen je ESRS-Thema | alle (extern vereinfacht) | 8–12 Min. |
| C | Finanzielle Wesentlichkeit | nur interne Finanz- und Risikoexperten | 8–10 Min. |
| D | Offene Fragen | alle | 3 Min. |
| E | Angaben zur Person | alle | 1 Min. |
Planen Sie für externe Gruppen höchstens 15 Minuten ein. Was länger dauert, wird abgebrochen oder lustlos durchgeklickt.
Teil A: Einleitung und Kontextfragen
Einleitungstext (zum Kopieren):
Wir analysieren, welche Nachhaltigkeitsthemen für [Unternehmen] am wichtigsten sind: einerseits, wie sich unsere Tätigkeit auf Menschen und Umwelt auswirkt, andererseits, wie Nachhaltigkeitsthemen unser Unternehmen finanziell beeinflussen. Ihre Einschätzung fließt in unsere doppelte Wesentlichkeitsanalyse nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) ein. Die Befragung dauert etwa [X] Minuten. Ihre Angaben werden [vertraulich / anonym] ausgewertet. Wenn Sie eine Frage nicht beurteilen können, wählen Sie bitte „Kann ich nicht beurteilen“.
Kontextfragen:
- In welcher Beziehung stehen Sie zu [Unternehmen]? (Beschäftigte/r, Lieferant, Kunde, Investor/Bank, Anwohner/in, Vertreter/in einer Organisation, Sonstiges)
- Welche Teile unserer Wertschöpfungskette kennen Sie am besten? (Rohstoffe und Lieferanten, eigene Standorte, Vertrieb und Kunden, Nutzung und Entsorgung unserer Produkte)
- Welche drei Nachhaltigkeitsthemen sind aus Ihrer Sicht für [Unternehmen] am wichtigsten? (Freitext, vor der Themenliste stellen, damit die Antwort nicht beeinflusst wird)
Teil B: Wesentlichkeit der Auswirkungen je ESRS-Thema
Bewerten lassen Sie konkrete Auswirkungen, keine Themenüberschriften. „Klimawandel: wie wichtig?“ liefert Meinungen; „Unsere Emissionen aus eingekauftem Stahl tragen zum Klimawandel bei: wie schwer wiegt das?“ liefert eine verwertbare Bewertung. Den Unterschied zwischen Auswirkungen, Risiken und Chancen erklärt unser Beitrag zu IROs im Rahmen der CSRD.
Skalen mit Ankern
Jede Stufe braucht eine Beschreibung, sonst versteht jede Person unter einer „3“ etwas anderes.
| Wert | Ausmaß (wie schwer?) | Umfang (wie verbreitet?) | Unabänderlichkeit (wie umkehrbar?) | Wahrscheinlichkeit (nur potenzielle Auswirkungen) |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Minimal, kaum spürbar | Einzelfälle, ein sehr kleiner Bereich | Kurzfristig vollständig behebbar | Sehr unwahrscheinlich |
| 2 | Gering, spürbar ohne bleibende Folgen | Eine kleine Gruppe oder ein Standort | Mit geringem Aufwand behebbar | Unwahrscheinlich |
| 3 | Mittel, deutliche Beeinträchtigung von Gesundheit, Einkommen oder Umwelt | Mehrere Gruppen oder Standorte | Mit erheblichem Aufwand behebbar | Möglich |
| 4 | Hoch, z. B. schwere Verletzungen oder erhebliche Umweltschäden | Großer Teil einer Gruppe oder Region | Nur teilweise behebbar | Wahrscheinlich |
| 5 | Sehr hoch, z. B. Verletzung grundlegender Rechte, Lebensgefahr | Weit verbreitet, ganze Wertschöpfungskette | Nicht behebbar | Nahezu sicher |
Die Schwere ergibt sich aus Ausmaß, Umfang und Unabänderlichkeit; bei positiven Auswirkungen entfällt die Unabänderlichkeit. Wie daraus ein Auswirkungswert wird, zeigt unser Praxisbeispiel Schritt für Schritt.
Fragen je Auswirkung
Für jede vorformulierte Auswirkung stellen Sie dieselben Fragen:
- Ist diese Auswirkung tatsächlich eingetreten oder potenziell? (tatsächlich / potenziell / kann ich nicht beurteilen)
- Ausmaß (1–5)
- Umfang (1–5)
- Unabänderlichkeit (1–5, nur negative Auswirkungen)
- Wahrscheinlichkeit (1–5, nur potenzielle Auswirkungen)
- Kurze Begründung oder Beleg (Freitext, optional)
Ergänzen Sie den Hinweis: „Berücksichtigen Sie bei potenziellen Auswirkungen nur Maßnahmen, die bereits umgesetzt sind und wirken, keine geplanten.“ Das entspricht der Brutto-/Netto-Regel der überarbeiteten ESRS (ESRS 1 §43).
Beispielauswirkungen für die 10 ESRS-Themen
Passen Sie die Formulierungen an Ihr Geschäftsmodell an. Fügen Sie positive Auswirkungen als eigene Aussagen hinzu; sie werden nicht mit negativen verrechnet (§44).
| ESRS-Thema | Beispielaussage zur Bewertung |
|---|---|
| E1 Klimawandel | Unsere Treibhausgasemissionen aus Energieverbrauch, eingekauften Materialien und Transporten tragen zum Klimawandel bei. |
| E2 Umweltverschmutzung | Emissionen in Luft, Wasser oder Boden aus unseren Standorten oder unserer Lieferkette schaden Umwelt oder Gesundheit. |
| E3 Wasser | Unsere Wasserentnahme oder unser Abwasser belastet Wasserressourcen, besonders in Regionen mit Wasserknappheit. |
| E4 Biologische Vielfalt und Ökosysteme | Unsere Standorte oder die Gewinnung unserer Rohstoffe beeinträchtigen Lebensräume und Ökosysteme. |
| E5 Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft | Wir verbrauchen überwiegend Primärrohstoffe, und unsere Produkte werden am Lebensende kaum wiederverwertet. |
| S1 Arbeitskräfte des Unternehmens | Beschäftigte sind an unseren Standorten Gesundheits- und Sicherheitsrisiken ausgesetzt. |
| S2 Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette | Beschäftigte bei unseren Lieferanten arbeiten unter Bedingungen, die Arbeits- oder Menschenrechte verletzen (z. B. exzessive Überstunden). |
| S3 Betroffene Gemeinschaften | Unsere Tätigkeit beeinträchtigt Menschen im Umfeld unserer Standorte oder Rohstoffquellen (z. B. Lärm, Landnutzung). |
| S4 Verbraucher und Endnutzer | Unsere Produkte oder Dienstleistungen gefährden Sicherheit, Gesundheit oder Daten von Kunden und Endnutzern. |
| G1 Unternehmensführung | In unserem Vertrieb oder Einkauf kommt es zu Korruption oder unfairen Geschäftspraktiken. |
Die vollständige Themenstruktur der überarbeiteten ESRS finden Sie in unserer ESRS-Themenliste 2026.
Vereinfachte Version für betroffene Stakeholder: Beschäftigte oder Anwohner müssen nicht vier Kriterien bewerten. Fragen Sie: „Wie stark sind Sie oder die Menschen, die Sie vertreten, von dieser Auswirkung betroffen?“ (1 = gar nicht, 5 = sehr stark) plus „Was sollten wir darüber wissen?“ (Freitext). Das Kernteam übersetzt die Antworten anschließend in Ausmaß, Umfang und Unabänderlichkeit.
Teil C: Finanzielle Wesentlichkeit (nur interne Experten)
Diesen Teil beantworten Finanzen, Controlling, Risikomanagement und die Geschäftsleitung. Externe betroffene Stakeholder können finanzielle Effekte auf Ihr Unternehmen kaum einschätzen.
| Wert | Ausmaß des finanziellen Effekts (Beispielkalibrierung) | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
| 1 | Unter 0,5 Mio. € EBIT-Effekt | Sehr unwahrscheinlich |
| 2 | 0,5–2 Mio. € | Unwahrscheinlich |
| 3 | 2–5 Mio. € | Möglich |
| 4 | 5–15 Mio. € | Wahrscheinlich |
| 5 | Über 15 Mio. € | Nahezu sicher |
Die Euro-Werte stammen aus unserem Praxisbeispiel eines Herstellers mit 540 Mio. € Umsatz. Übernehmen Sie die Stufen Ihres eigenen Risikomanagements, das macht die Ergebnisse leichter zu verteidigen.
Fragen je Risiko oder Chance:
- Wie groß wäre der finanzielle Effekt auf Cashflows, Finanzlage, Kapitalkosten oder Zugang zu Finanzierung? (1–5)
- Wie wahrscheinlich tritt er ein? (1–5)
- In welchem Zeithorizont? (kurzfristig = Berichtszeitraum des Abschlusses / mittelfristig = bis 5 Jahre / langfristig = über 5 Jahre)
- Ist das Risiko bereits im Risikoregister erfasst? (ja / nein / weiß nicht)
- Begründung (Freitext)
Beispielrisiken und -chancen: steigende CO₂-Kosten auf eingekaufte Materialien (E1), Preisvolatilität bei Rohstoffen (E5), Fachkräftemangel (S1), Auftragsverlust nach einem Lieferkettenvorfall (S2), Bußgelder und Ausschluss von Ausschreibungen nach einem Korruptionsfall (G1), wachsende Nachfrage nach energieeffizienten Produkten (E1, Chance).
Teil D: Offene Fragen
- Welche Nachhaltigkeitsthemen fehlen in dieser Liste, obwohl sie für [Unternehmen] wichtig sind?
- Gibt es Themen, die für unser Geschäftsmodell, unsere Standorte oder unsere Produkte spezifisch sind?
- Wo in unserer Wertschöpfungskette sehen Sie die größten negativen Auswirkungen?
- Welche Erwartungen haben Sie an unser Vorgehen oder unsere Berichterstattung?
- Welche Quellen, Vorfälle oder Belege sollten wir kennen?
Offene Antworten sind oft der wertvollste Teil: Hier tauchen die unternehmensspezifischen Themen auf, die in keiner Standardliste stehen.
Teil E: Angaben zur Person
- Stakeholdergruppe (Auswahlliste wie in Teil A)
- Funktion oder Bereich (bei internen Befragten)
- Art der Perspektive: selbst betroffen / Vertreter/in einer betroffenen Gruppe / Nutzer des Berichts / interne Fachexpertise
- Selbsteinschätzung der Fachkenntnis (gering / mittel / hoch)
- Region oder Standort (optional)
- Kontakt für Rückfragen (optional) und Einwilligung zur Verarbeitung der Angaben
Diese Angaben brauchen Sie für die Gewichtung und für die Dokumentation. Fragen Sie nicht mehr ab als nötig.
Antworten richtig auswerten
Nach Gruppen getrennt auswerten. Ein Gesamtdurchschnitt über Beschäftigte, Lieferanten und Banken verwischt genau die Unterschiede, die Sie sehen wollen.
Gewichtung vorab festlegen. Zum Beispiel: Bei Auswirkungen zählen Einschätzungen von Betroffenen, ihren Stellvertretern und internen Fachleuten mit hoher Fachkenntnis stärker; bei finanziellen Effekten zählen nur interne Experten. Halten Sie die Regeln schriftlich fest, bevor die Antworten vorliegen.
Nicht wegmitteln. Bewerten 3 von 20 Personen eine potenzielle Auswirkung auf Beschäftigte bei Lieferanten mit Ausmaß 5 und alle anderen mit 2, ergibt der Mittelwert knapp 2,5, und die Auswirkung verschwindet unter der Schwelle. Schauen Sie deshalb neben dem Mittelwert auf Median und Höchstwert und prüfen Sie jede hohe Einzelbewertung bei Menschenrechtsthemen (S1–S4) gesondert. Bei potenziellen Auswirkungen auf die Menschenrechte hat die Schwere Vorrang vor der Wahrscheinlichkeit (ESRS 1 §40).
Die Umfrage entscheidet nicht allein. Die Ergebnisse sind ein Input. Die finale Bewertung jeder Auswirkung, jedes Risikos und jeder Chance legt das Kernteam fest und begründet Abweichungen.
Wie viele Teilnehmende? Es gibt keine Mindestzahl. Intern genügen meist 8 bis 15 Personen, die die wichtigsten Funktionen abdecken. Extern zählt die Abdeckung jeder relevanten Gruppe mehr als die Anzahl. Setzen Sie eine Frist von zwei bis drei Wochen, planen Sie zwei Erinnerungen ein und dokumentieren Sie den Rücklauf je Gruppe. Bei geringem Rücklauf einer wichtigen Gruppe ergänzen Sie gezielt Interviews.
Typische Fehler
- Suggestivfragen. „Wie wichtig ist Ihnen unser Engagement für den Klimaschutz?“ lädt zu hohen Werten ein. Besser: „Wie schwer wiegen unsere Treibhausgasemissionen aus Ihrer Sicht?“
- Zu viele Themen. 10 Themen mit je mehreren Auswirkungen und vier Kriterien ergeben schnell über 100 Bewertungen. Nutzen Sie den Top-down-Ansatz (ESRS 1 §27) und fragen Sie nur dort, wo das Ergebnis nicht offensichtlich ist.
- Umfragemüdigkeit. Wer jedes Jahr denselben langen Fragebogen schickt, bekommt immer weniger Antworten. Die Analyse muss nur bei wesentlichen Änderungen aktualisiert werden (§34); fragen Sie dann gezielt nach dem, was sich geändert hat.
- Brutto und netto vermischen. Ohne klaren Hinweis rechnet jede Person geplante Maßnahmen anders ein. Formulieren Sie die Regel aus §43 in jeder Fragegruppe.
- Fachjargon. Begriffe wie „IRO“ oder „Angabepflicht“ gehören nicht in einen Fragebogen für Beschäftigte oder Anwohner.
- Keine Ausweichoption. Ohne „Kann ich nicht beurteilen“ raten Befragte, und Ihre Daten enthalten Rauschen statt Wissen.
Wesentlichkeitsanalyse für KMU: braucht es den Fragebogen?
Nach Omnibus I sind nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. € Nettoumsatz CSRD-pflichtig. Der freiwillige Standard für kleinere Unternehmen verlangt keine Wesentlichkeitsanalyse (Details in VSME vs. ESRS nach Omnibus). Wenn Sie als KMU trotzdem eine schlanke Analyse durchführen, etwa wegen Anfragen von Kunden oder Banken, genügt meist eine kurze Version: Teil A, Teil B für die offensichtlich relevanten Themen und Teil D, beantwortet von Geschäftsleitung, wenigen Fachleuten und Ihren wichtigsten Kunden.
Dokumentation für die Prüfung
Prüfer wollen nachvollziehen, wie Stakeholder-Input in die Bewertung eingeflossen ist. Legen Sie ab:
- den Fragebogen in der versendeten Fassung (inklusive Skalen und Einleitungstext)
- den Verteiler mit Stakeholdergruppen sowie den Befragungszeitraum
- Rücklauf je Gruppe und die Rohdaten
- die vorab festgelegten Gewichtungs- und Auswertungsregeln
- wie die Ergebnisse in die IRO-Bewertung eingeflossen sind und warum Sie wo abgewichen sind
- die Beschreibung der Konsultation für ESRS 2 IRO-1
Was Prüfer darüber hinaus sehen wollen, fasst unsere Checkliste zur Prüfung der Wesentlichkeitsanalyse zusammen.
Von der Umfrage in die Wesentlichkeitsanalyse
In der Praxis kostet nicht das Erstellen des Fragebogens die meiste Zeit, sondern der Schritt danach: Antworten aus Online-Formularen exportieren, nach Gruppen sortieren, gewichten, den richtigen IROs zuordnen und für den Prüfer nachvollziehbar machen. Genau hier gehen in Excel-Projekten Belege verloren.
Versenden Sie den Fragebogen mit einem Umfragetool Ihrer Wahl und nutzen Sie diese Vorlage als Grundlage. In Materiality Master führen Sie die Ergebnisse dann dort zusammen, wo die Bewertung stattfindet:
- Stakeholder anlegen und priorisieren: mit Kategorie und Fachkenntnis, bewertet nach Interesse, Einfluss und Kenntnis, sichtbar in der Stakeholder-Matrix.
- Input mit IROs verknüpfen: Sie verknüpfen Stakeholder mit einzelnen IROs und beschreiben, wie ihr Input eingeflossen ist, ob per Umfrage, Interview oder Workshop.
- Schlüssel-Stakeholder direkt bewerten lassen: Laden Sie ausgewählte Stakeholder als Nutzer mit eingeschränkten Rechten ein, damit sie bestimmte IROs selbst bewerten. Die Zahl der Nutzer und Stakeholder ist nicht begrenzt.
- Prüfpfad: Jede Bewertung und jede Änderung wird automatisch dokumentiert.
Wie das Schritt für Schritt funktioniert, zeigt der Hilfeartikel Stakeholder-Bewertung in Materiality Master durchführen.
Stakeholder-Input direkt in der Wesentlichkeitsanalyse dokumentieren
Verknüpfen Sie Umfrage-, Interview- und Workshop-Ergebnisse mit den einzelnen IROs oder lassen Sie Schlüssel-Stakeholder direkt bewerten. Mit Prüfpfad, ohne Excel-Zusammenführung.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Fragebogen ist eine von mehreren Methoden der Stakeholder-Einbindung; Pflicht ist er nicht (ESRS 1 §42).
- Fragen Sie jede Zielgruppe nur, was sie beurteilen kann: finanzielle Wesentlichkeit nur intern.
- Lassen Sie konkrete Auswirkungen, Risiken und Chancen bewerten, nicht Themenüberschriften.
- Nutzen Sie Skalen von 1–5 mit klaren Ankern und eine Option „Kann ich nicht beurteilen“.
- Werten Sie nach Gruppen getrennt aus und mitteln Sie schwere Menschenrechtsauswirkungen nicht weg.
- Dokumentieren Sie Fragebogen, Verteiler, Rücklauf und Auswertungsregeln für die Prüfung.
Sie möchten Stakeholder-Input, IRO-Bewertung und Prüfpfad an einem Ort statt in verstreuten Tabellen? Testen Sie Materiality Master kostenlos oder sehen Sie sich die Preise und Pakete an.


